Modell des Strafgefängnisses Wolfenbüttel, 1939 / Stefan Wilbricht

Das Strafgefängnis

Ab 1933 wurden im Strafgefängnis zunehmend Urteile auf Grundlage nationalsozialistischer Sondergesetzgebung vollstreckt. Mit den Verhaftungswellen nach der „Reichstagsbrandverordnung“ und der Einführung der Heimtückegesetzgebung wurde das Strafgefängnis Wolfenbüttel in den 1930er Jahren zentrale Haftstätte für politische Gegner der Nationalsozialisten im Land Braunschweig. Von der Einschränkung der bürgerlichen Grundrechte waren zunehmend auch religiöse Gruppen, wie die Zeugen Jehovas, betroffen. Mit der Verschärfung des Paragrafen 175 setzte ab 1935 auch eine verstärkte Verfolgung Homosexueller ein. 

Im Jahr 1938 war das Gefängnis Sammelstelle für die nach der Pogromnacht im Land Braunschweig verhafteten jüdischen Männer vor ihrem Weitertransport in das Konzentrationslager Buchenwald.

Mit Kriegsbeginn stieg die Zahl ost- und westeuropäischer Gefangener, die als Zwangsarbeiter im Reich gegen die repressiven Aufenthalts- und Arbeitsbestimmungen verstoßen hatten. Das Reichsjustizministerium nutzte das Strafgefängnis im Rahmen der Bekämpfung des Widerstandes als Haftort für über 900 sogenannte „Nacht- und Nebel-Gefangene“ aus Westeuropa. Zum Kriegsende war das Strafgefängnis Ziel von Räumungstransporten unter anderem aus Polen und Italien. Diese Gefangenen wurden teilweise in eigens eingerichteten Außenarbeitskommandos untergebracht.

In der Endphase des Krieges kam es zu einem drastischen Anstieg der Todesrate aufgrund von Überbelegung, Hunger und Krankheiten. Am 11. April 1945 befreiten US-amerikanische Soldaten das Gefängnis.

Während des Kriegs führte der akute Mangel an Arbeitskräften im Strafvollzug zur Verlegung von hunderten Strafgefangenen aus Italien, Polen und den Niederlanden in den Verwaltungsbereich des Strafgefängnisses Wolfenbüttel. Die tägliche Arbeitszeit betrug offiziell elf Stunden. Der Einsatz der Strafgefangenen erfolgte in den gängigen Eigenbetrieben der Strafanstalt wie Bäckerei, Buchbinderei, Druckerei, Schneiderei und Tischlerei. Mit fortschreitendem Kriegsverlauf erhöhte sich die Zahl der mittelständischen und großen Betriebe des Landes Braunschweig, die innerhalb des Strafgefängnisses Fremdbetriebe einrichteten. Auch außerhalb der Gefängnismauern kam es zu Einsätzen von Strafgefangenen.