Ausschnitt einer Zeichnung über die Selbstmorde im Zuge der Frankfurter Homosexuellen-Prozesse. In: Die Freundschaft, Selbstverlag, Hamburg, Jg. 2, Nr. 3/1951

§ 175 StGB - 20 Jahre legitimiertes Unrecht in der BRD am Beispiel des Strafvollzugs in Wolfenbüttel

In der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel werden in einem bundesweit einmaligen Projekt die Verurteilungen und der Strafvollzug von Männern, die aufgrund des § 175 verurteilt wurden, am Beispiel des Strafgefängnisses Wolfenbüttel untersucht. Grundlage der Forschungsarbeit sind Gefängnisakten, die im Niedersächsischen Landesarchiv – Standort Wolfenbüttel vorliegen. Die Ergebnisse des Projekts sollen 2019 in einer Publikation vorgelegt sowie durch eine Bildungseinheit Teil des pädagogischen Programms der Gedenkstätte werden.

Der § 175 stellte männliche Homosexualität bzw. homosexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe und galt in seiner durch die Nationalsozialisten 1935 verschärften Form in der Bundesrepublik bis 1969 unverändert fort. Ziel ist es, nicht nur die Verurteilungen und den

 

 

 

Strafvollzug von Männern, die nach § 175 verurteilt wurden, am Beispiel des Strafgefängnisses zu erforschen. Darüber hinaus soll ein Einblick in die Lebenswelt von Männern, die Sex mit Männern hatten, unter dem Druck der Strafverfolgung gewonnen werden. Schließlich ist zu vermuten, dass die Strafbarkeit homosexueller Handlungen das Sexualverhalten der betreffenden Männer stark beeinträchtigt, aber auch Gegenbewegungen und Aktivismus hervorgebracht hat.

Maria Bormuth ist die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts, das in Kooperation mit „Queeres Netzwerk Niedersachsen“ und im Rahmen der Kampagne "Für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in Niedersachsen" umgesetzt wird.

Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.